Gas- und Ölheizungen bieten wir seit 2023 nicht mehr an. Warum wir das tun? Weil uns der Klimaschutz wichtig ist und auch die Gasheizung mit Wasserstoff keine Lösung ist. Im Video gehen wir noch einmal der Frage nach, ob Wasserstoff den Gaskessel retten kann. Machen Sie sich selbst ein Bild!

In dieser Folge Best of SHK-Show spricht Max Herrmannsdörfer mit Thorsten Schröder, Geschäftsführer des SHK-Betriebs Henrich Schröder aus Gütersloh.

Er und sein Team haben sich bereits jetzt vollständig von Gas- und Ölheizungen verabschiedet und bauen nur noch klimafreundliche Heizungen ein. Wie Thorsten zum Entwurf des Gebäudeenergiegesetzes steht, warum er den Einsatz von Wasserstoff kritisiert und wie er es geschafft hat, mehr 20 Auszubildende gleichzeitig zu beschäftigen, hört ihr im Interview!

Firma Schröder bietet keine fossilen Heizungsanlagen mehr an

Warum haben wir uns konsequent entschieden, keine neuen Gas- oder Ölheizungen mehr anzubieten?

Die Klimakrise spitzt sich dramatisch zu. Die Erde wird immer wärmer und die Wetterextreme nehmen zu. Wir müssen jetzt handeln. Mehr als die Hälfte des deutschen Energieverbrauchs geht heute für Wärme drauf, wir dürfen keine weiteren fossilen Heizungen mehr einbauen, welche dann für über 20 Jahre betrieben werden.

Spätestens 2045 muss Deutschland klimaneutral sein. Gas- und Ölheizungen mit fossilen Energien dürfen dann nicht mehr betrieben werden.
Wir haben alle selber Kinder und möchten denen eine Zukunft auf unseren Planeten bieten. Deswegen möchten wir jetzt zukunftsorientiert handeln. Und nicht das Problem auf die nächste Generation schieben.

In den letzten 20 Jahren wurde nichts getan, in erster Linie weil das Gas aus Russland so billig war. Es gab keinen Handlungsbedarf. Heute kauft Deutschland das Gas in vielen anderen Staaten teurer ein und teilweise auch aus autoritären Staaten. Das ist langfristig keine Lösung.

Welche politischen Möglichkeiten gibt es, das Ziel bis 2045 tatsächlich zu erreichen, wenn die Ausbaugeschwindigkeit nicht reicht?

Die Politik hat 3 Möglichkeiten, dieses Ziel zu erreichen:

  • Förderpolitik
  • Ordnungspolitisch: Gesetze
  • Marktregulierung: CO2-Bepreisung

Wird das Ziel verfehlt oder die Ausbaugeschwindigkeit ist zu langsam, werden die Daumenschrauben angezogen werden müssen. Die CO2- Steuer könnte laut aktuellen Berechnungen von derzeit 30€/to auf 300€/to in den 2030er Jahren steigen. Für ein Einfamilienhaus macht das dann zusätzlich 1.500€ im Jahr aus. Es wird also ach teuer werden.

Wird es Probleme geben, alle Gebäude auf erneuerbare Energien umzustellen?

Wärmepumpen gibt es seit über 50 Jahren, wir bauen Erdwärmeheizungen seit 1999. Damals galten wir noch als grüne Spinner. Die Technik ist erprobt und funktioniert für alle Gebäudetypen. Und es gibt ja auch noch Pelletheizungen oder für größere Gebäude die Kraft-Wärme-Kopplung, welche die nächsten Jahrzehnte noch eine Rolle spielen sollte, Stichwort Dunkelflaute.

Natürlich wird es viele Menschen auch vor Probleme stellen, den Umstieg auf erneuerbare Energien zu bezahlen, das wissen wir aus vielen Gesprächen. Hier ist die Politik gefragt.
Die Förderungen sind auf einem historischen Höchststand, es gibt Finanzierungsmöglichkeiten über die KfW. Und ganz wichtig: Über die Laufzeit rechnet sich die Mehrinvestition in eine moderne Technik über die eingesparten Energiekosten. Über 20 Jahre verteilt wird es also nicht teurer.

Für bestehende Anlagen gibt es zudem keine Austauschpflicht, es darf repariert werden.

Was ist mit der Dämmung eines Gebäudes, muss die mit dem Einbau einer WP zwangsläufig gemacht werden, wenn das Haus nicht oder schlecht gedämmt ist?

Die Dämmung eines Gebäudes macht immer Sinn und hat natürlich großen Einfluss auf die Energiekosten bei jeder Heizung, insbesondere bei Öl- und Gas. Das ist also in erster Linie keine Frage der Heizungsart. Wärmepumpen funktionieren grundsätzlich auch in schlecht gedämmten Häusern mit Heizkörpern, aber die Effizienz wird schlechter. Daher müssen oft einige Heizkörper vergrößert werden, dann geht es auch in schlecht gedämmten Häusern ohne Rieseninvestitionen. Aber: eine gute Dämmung macht langfristig immer Sinn.

Und was ist mit Mehrfamilienhäusern? Kommen Wärmepumpen hier an ihre Grenzen?

Wie bei Einfamilienhäusern, nur größer: Wärmepumpen gehen auch in groß, das haben wir schon oft umgesetzt. Die Rahmenbedingungen (Dämmung, Größe der Heizkörper) sind genau so wie bei kleineren Gebäuden.

Hat der Fachkräftemangel die Entscheidung beeinflusst?

Die Verkaufszahlen von Gas- und Ölheizungen sind in den letzten Monaten wieder stark gestiegen. Wir machen uns seit über 30 Jahren für den Einbau von erneuerbaren Energien stark. Es fühlt sich nicht richtig an, jetzt den „run“ auf die letzten Gasheizungen mitzumachen. Zudem haben wir nur eine begrenzte Zahl von Fachkräften. Wir können diese einsetzen um erneuerbare Energien einzubauen oder weiter fossile Heizungen. Die Entscheidung war so gesehen recht eindeutig.

Wir bilden derzeit über 20 Azubis in verschiedenen Berufen aus. Wie sehen die das Thema?

Junge Menschen möchten einen Beruf, der Sinn macht. Wenn wir unsere Auszubildenden fragen, in welche Richtung sie sich spezialisieren wollen, sind alle bei Wärmepumpen und Photovoltaik dabei, Gasheizungen möchte niemand mehr machen. Uns werden also auch die Fachkräfte ausgehen, die die nächsten 20 Jahre noch Wartungen und Reparaturen an Gasheizungen durchführen können.

Was passiert eigentlich mit dem Gasnetz in den nächsten Jahren?

In den nächsten Jahren werden viele erneuerbare Heizungen eingebaut werden. Das bedeutet auch, dass das Gasnetz immer weniger Kunden haben wird. Entsprechend werden die Netzentgelte auf weniger Haushalte umgelegt werden. Die Grundgebühren werden also zwangsläufig teurer werden.

 

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